Polizei filmen bei Schüler- und Studentenprotesten
Was sich ändert, wenn man eine Menge statt einer Kontrolle filmt, und wie Ihre Aufnahmen auch dann gesichert bleiben, wenn man Ihnen das Telefon abnimmt.
In Frankreich, Belgien und Italien gehen seit Wochen Schüler und Studierende auf die Straße, teils mit Konfrontationen mit der Polizei. Für den 31. Oktober 2026 sind auch in Deutschland bundesweit Schülerproteste angekündigt. Diese Seite erklärt, wie Sie bei einer Versammlung filmen, ohne sich zu gefährden oder jemanden zu behindern, und wie Witness Ihr Material wegschickt, während Sie noch filmen. Vorab die deutsche Besonderheit: Witness nimmt immer auch Ton auf, und genau der ist hier rechtlich das Risiko.
Kurz gesagt. In Deutschland ist das Filmen eines Polizeieinsatzes in der Öffentlichkeit grundsätzlich erlaubt, solange kein Ton aufgezeichnet wird. Ton ist das Risiko (§ 201 StGB), und Witness nimmt immer auch Ton auf. Bei Schüler- und Studentenprotesten: am Rand bleiben, Abstand halten, nichts behindern, Gesichter von Minderjährigen vor einer Veröffentlichung verpixeln. Eine mündliche Aufforderung zum Löschen ohne richterlichen oder staatsanwaltschaftlichen Beschluss hat keine Rechtsgrundlage. Stand: 21. Oktober 2026. Dies ist keine Rechtsberatung.
Was gerade passiert, in Kürze
Diese Angaben stammen aus der Presse und sind den Quellen zugeordnet. Zahlen ändern sich schnell. Stand: 21. Oktober 2026.
- Für den 31. Oktober sind laut News4teachers (mit Verweis auf dpa) bundesweit Schülerproteste angekündigt. Hinter dem Aufruf steht die Initiative „GenZ regelt“, die nach eigener Darstellung Gewalt ablehnt und unter anderem Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und eine Absage an die Wehrpflicht fordert.
- Nach Angaben der Initiative auf ihrer Website haben sich mehr als 10.000 Menschen für Demonstrationen in 21 Städten angemeldet. Diese Zahl haben die Journalisten nicht überprüft, und wie viele tatsächlich kommen, lässt sich laut News4teachers vorab schwer sagen.
- Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte laut News4teachers, die Sicherheitsbehörden beobachteten Internetseiten und soziale Medien. Er unterschied friedliche Schülerproteste von Gewalt und sagte, eine gewaltbereite Szene könnte die Proteste ausnutzen. Bundes- und Landespolizei würden bei Bedarf unterstützen.
- In Frankreich haben die Proteste laut Radio-Canada und Time Hunderttausende mobilisiert, mit Tränengas und Festnahmen, darunter viele Minderjährige. In Italien kam es am 16. Oktober in Turin zu Zusammenstößen (ANSA).
Wir ergreifen weder für die Forderungen noch für die berichteten Gewaltvorwürfe auf einer der Seiten Partei. Dieser Leitfaden dient dem Dokumentieren, unabhängig davon, wer im Unrecht ist.
Was das Recht sagt, in Kürze
Ein Polizeieinsatz in der Öffentlichkeit darf grundsätzlich fotografiert und gefilmt werden, solange kein Ton aufgezeichnet wird. Nach § 33 Kunsturhebergesetz ist erst die Verbreitung oder öffentliche Zurschaustellung ohne Einwilligung problematisch. Ton ist das eigentliche Risiko: § 201 StGB stellt die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes unter Strafe, und die Tat ist schon mit der Aufnahme vollendet. Ob eine Ansage eines Beamten bei einem öffentlichen Einsatz „nichtöffentlich“ ist, ist rechtlich umstritten. Die Grenze ist in der Rechtsprechung nicht einheitlich. Die Einzelheiten, die Quellen und was wir nicht klären konnten, stehen auf der Seite Polizei filmen: was ist erlaubt?. Das ist keine Rechtsberatung.
Bevor Sie losgehen
- Code statt Biometrie. Stellen Sie einen mindestens sechsstelligen Code statt Face ID oder Fingerabdruck ein. Beim iPhone erzwingt das gleichzeitige Halten der Seitentaste und einer Lautstärketaste die Codeabfrage.
- Akku. Starten Sie mit 100 Prozent und nehmen Sie eine Powerbank mit: Filmen im überlasteten Netz mit laufendem Upload ist der schlimmste Fall für den Akku, und Demonstrationen dauern.
- Witness vorher einrichten und testen. Verbinden Sie Ihren Speicher (Google Drive, Dropbox, Nextcloud oder WebDAV), machen Sie eine Probeaufnahme von dreißig Sekunden und prüfen Sie, ob die Datei ankommt. Witness ist kostenlos und braucht kein Konto bei uns.
- Entscheiden Sie das Thema Ton, bevor Sie losgehen. Witness nimmt immer Bild und Ton auf. In den Einstellungen gibt es keinen Schalter, der das Mikrofon abschaltet. Wenn Sie wegen § 201 StGB lieber ganz ohne Ton arbeiten wollen, ist Witness dafür derzeit die falsche Wahl. Im Zweifel fragen Sie vorher eine Anwältin oder einen Anwalt.
- Benennen Sie einen Notfallkontakt. Jede Aufnahme wird ihm laufend geschickt.
- Schreiben Sie eine Nummer auf den Arm. Die einer Anwältin, eines Anwalts oder einer rechtlichen Beratungsstelle Ihres Vertrauens. Eine Nummer im Telefon erreichen Sie nicht, wenn man Ihnen das Telefon abnimmt.
Vor Ort
- Bleiben Sie am Rand, nicht in der Mitte. Am Rand sehen Sie die Linie, die Menge und den Raum dazwischen in einer Einstellung. In der Mitte haben Sie weder Ausgang noch Überblick.
- Merken Sie sich zwei Ausgänge und prüfen Sie sie, wenn sich die Menge bewegt. Die eigentliche Gefahr ist, in einer Absperrung oder einer gesperrten Straße eingeschlossen zu werden.
- Gehen Sie nach oben, wenn möglich: Stufe, Mauer, Hauseingang. Strittig sind hinterher fast immer Zahlen und Abstände.
- Filmen Sie zuerst die ruhigen Minuten. Die zwanzig Minuten davor belegen, dass ein Zug friedlich war, dass eine Straße schon gesperrt war und wo die Polizei stand.
- Sagen Sie alle paar Minuten die Uhrzeit und schwenken Sie langsam über die Szene. Tun Sie es auch bei einer Auflösungsansage und wenn sich die Linie bewegt. Ob dabei Ton aufgenommen wird, haben Sie oben entschieden.
- Behindern Sie nichts. Bleiben Sie in angemessenem Abstand, das Telefon sichtbar in der Hand, nie halb versteckt. Befolgen Sie rechtmäßige Aufforderungen, den Ort zu verlassen.
- Das Netz wird überlastet sein. Bei Witness warten die Abschnitte auf dem Telefon und gehen los, sobald wieder Verbindung besteht, statt zu scheitern.
Viele Teilnehmende sind minderjährig
Bei Schülerprotesten sind viele Teilnehmende minderjährig. Dokumentieren ist eine Sache, Veröffentlichen eine andere. Das Verbreiten erkennbarer Aufnahmen ohne Einwilligung kann das Recht am eigenen Bild nach § 22 und § 33 KunstUrG verletzen. Es gibt eine Ausnahme für Ereignisse von zeitgeschichtlichem Interesse, doch ihre Reichweite ist umstritten, gerade seit der Datenschutz-Grundverordnung. Bewahren Sie das Original unverändert auf und verpixeln Sie vor einer Veröffentlichung die Gesichter von Minderjährigen und Unbeteiligten.
Wenn Sie aufgefordert werden, aufzuhören oder zu löschen
Bleiben Sie ruhig, stellen Sie sich nicht körperlich in den Weg und diskutieren Sie vor Ort keine Rechtsfragen. Sagen Sie sachlich, dass Sie in der Öffentlichkeit filmen. Eine mündliche Aufforderung, die Aufnahme zu löschen, hat ohne richterlichen oder staatsanwaltschaftlichen Beschluss keine rechtliche Grundlage. Ruhig darauf hinzuweisen ist praktikabler als eine Konfrontation. Hier zählt das Hochladen während der Aufnahme: Das Material liegt dann bereits woanders, in einem Speicher, der Ihnen gehört.
Danach
- Verändern Sie das Original nicht. Arbeiten Sie an einer Kopie, wenn Sie schneiden oder verpixeln wollen.
- Bewahren Sie den ganzen Sitzungsordner auf: Videos, Manifest und Zeitstempel-Nachweis. Alles lässt sich mit OpenSSL ohne die App prüfen, mit dieser Seite (auf Englisch).
- Geben Sie es zuerst einer Anwältin, einem Anwalt oder einer Organisation, bevor Sie es veröffentlichen, besonders wenn Minderjährige zu sehen sind.
Was Witness tut und was nicht
Witness nimmt bei schwarzem Bildschirm auf, lädt Abschnitte von 15 Sekunden in einen Speicher hoch, der Ihnen gehört, berechnet den SHA-256-Hash jedes Abschnitts und versieht die Sitzung mit einem Zeitstempel. Wird Ihnen das Telefon abgenommen, ist das Bereits-Gesendete sicher. Es ersetzt keine Anwältin, macht nichts rechtmäßig, was es nicht ist, schützt nicht körperlich und garantiert nicht, dass ein Gericht oder eine Redaktion Ihre Aufnahmen akzeptiert. Und es nimmt, wie gesagt, immer Ton auf.
Fragen
Darf man bei einem Schülerprotest die Polizei filmen?
Bild ohne Ton ist grundsätzlich erlaubt. Ton ist das eigentliche Risiko: § 201 StGB stellt die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes unter Strafe, und die Grenze ist in der Rechtsprechung nicht einheitlich. Sich einem Einsatz körperlich in den Weg zu stellen kann als Widerstand gewertet werden. Dies ist keine Rechtsberatung.
Nimmt Witness Ton auf?
Ja, immer. Witness nimmt Bild und Ton auf und hat keine Einstellung, die das Mikrofon abschaltet. Wer wegen § 201 StGB ganz ohne Ton arbeiten will, für den ist Witness derzeit das falsche Werkzeug.
Wie filme ich sicher in einer Menschenmenge?
Am Rand bleiben, zwei Ausgänge merken, das Telefon sichtbar in angemessenem Abstand halten, zuerst die ruhigen Minuten filmen, die Uhrzeit laut sagen und rechtmäßigen Aufforderungen, den Ort zu verlassen, folgen.
Muss ich das Video löschen, wenn ein Beamter es verlangt?
Eine verbale Aufforderung, die Aufnahme zu löschen, hat ohne richterlichen oder staatsanwaltschaftlichen Beschluss keine rechtliche Grundlage. Ruhig bleiben und höflich darauf hinweisen ist der praktikablere Weg als eine Konfrontation.
Darf ich das Video veröffentlichen?
Das Verbreiten erkennbarer Aufnahmen ohne Einwilligung kann das Recht am eigenen Bild nach § 22 und § 33 KunstUrG verletzen. Es gibt eine Ausnahme für Ereignisse von zeitgeschichtlichem Interesse, deren Reichweite umstritten ist. Verpixeln Sie Minderjährige und Unbeteiligte und bewahren Sie das Original auf.
Ist Witness kostenlos, und auf welchen Telefonen läuft es?
Ja. Witness Camera (Name im App Store: Witness: Camera Beyond Reach) ist kostenlos auf iPhone (ab iOS 17) und Android (ab 11). Eine kostenpflichtige Pro-Option ergänzt Bildqualität, nichts, was Aufnahmen schützt.
Richten Sie Witness vor der nächsten Demonstration ein
Die App ist kostenlos. Richten Sie sie ein und testen Sie sie, bevor Sie sie brauchen.
Quellen
- News4teachers, „Gewaltwelle? Behörden beobachten Aufrufe zu Schülerprotesten in Deutschland“, Oktober 2026
- Radio-Canada, Mobilisierung in Frankreich am 13. Oktober 2026
- ANSA, Studentenproteste in Italien am 16. Oktober 2026
Weitere Leitfäden dieser Reihe
- Handy-Checkliste für Demonstrationen: 10 Schritte, bevor Sie die Polizei filmen
- Polizei verlangt, das Video zu löschen oder das Handy abzugeben
- Wenn Ihr Kind zu einer Demonstration geht: so bereiten Sie sein Handy vor
Siehe auch: Polizei filmen, Schritt für Schritt.
Verfasst am 21. Oktober 2026. Lage und Recht ändern sich. Dies ist keine Rechtsberatung.